Das INTERNETANTIQUARIAT.com im Steeler Antiquariat


 

Aktuelle Presseartikel zu Buchhandel + Literatur
- Januar 2000 -

(Eine Auswahl des INTERNETANTIQUARIAT.com)


Eine Genie der Freundschaft im Dienste der Literatur.

�Die neun Pforten�

Lexikon von Zitaten und Sinnspr�chen auf CD-ROM

Bertelsmanns befleckte Weste

Deutscher PEN hilft Exilautoren. Kulturminister plant Stiftung

Bach-Handschriften in Gefahr

Die Schatzkarte auf der Computer-Festplatte

Bibel aus dem 13. Jahrhundert in der Kunsthalle

Ein Verzeichnis der Privatbibliotheken von Karl Marx und Friedrich Engels

Online-Buchh�ndler mit Weihnachtsgesch�ft zufrieden


 

Online-Buchh�ndler mit Weihnachtsgesch�ft zufrieden

Die vier f�hrenden Online-Buchh�ndler in Deutschland sind mit dem Weihnachtsgesch�ft 1999 zufrieden. Die hohen Erwartungen sind nach Firmenangaben durchweg erf�llt worden. Dabei lag das b�rsennotierte Unternehmen buecher.de bei der Zahl der verkauften Artikel vor der Bertelsmann-Tochter Bol.de.

Der deutsche Marktf�hrer Amazon.de, eine Tochter des US-Unternehmens Amazon.com, berichtet, das Weihnachtsgesch�ft habe "die Erwartungen �bertroffen". Angaben zu Umsatz oder Zahl der bestellten B�cher und Musik-CDs machte das Unternehmen jedoch nicht. Amazon.com-Chef Jeff Bezos verfolgt die Firmenpolitik, so wenige Gesch�ftszahlen wie nur m�glich zu ver�ffentlichen, um der Konkurrenz keine Hinweise zu geben. Gleich zwei Unternehmen beanspruchen in Deutschland den zweiten Platz in der Branche: Die Bertelsmann-Tochter Bol.de und die b�rsennotierte Buecher.de. Bol.de vermeldet f�r den Monat Dezember ein Ordervolumen von durchschnittlich 4.000 Artikeln am Tag. Das beinhaltet B�cher und CDs. Die Zahl der Besucher auf der Internet-Seite sei im Dezember deutlich gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Seit Oktober h�tten sich die Absatzzahlen verdoppelt. Ein Vergleich mit dem Vorjahr ist hier nicht m�glich, da Bol.de erst 1999 gegr�ndet wurde.

Buecher.de-Sprecherin Julia Hofmann sagte, das Weihnachtsgesch�ft sei "sehr gut" gelaufen, der Umsatz sei etwa f�nf Mal so hoch gewesen wie im Dezember 1998. Im Dezember habe das Unternehmen durchschnittlich etwa 2.500 Bestellungen je Tag bekommen, wobei durchschnittlich zwei B�cher geordert wurden. Das Unternehmen hatte f�r das vierte Quartal 1998 einen Umsatz von 1,5 Millionen DM gemeldet. Im Oktober und November 1999 erzielte Buecher.de zusammengenommen einen Umsatz von 3,6 Millionen DM.

Die Nummer vier am deutschen Markt, Buch.de, ist nach dem Weihnachtsgesch�ft zuversichtlich, die geplanten Ums�tze zu erreichen. Das sagte Vorstandsmitglied Karsten Tiemann. Das Ziel liegt f�r 1999 bei 4,5 Millionen DM. Das Unternehmen habe im Dezember "bis zu 1.000 Bestellungen ja Tag" verzeichnet. Im Durchschnitt seien je Bestellung anderthalb B�cher angefordert worden.

In den USA war der Online-Buchhandel der Wegbereiter f�r den breiten Handel im Internet. In diesem Jahr meldeten die f�hrenden Internet-Portale in den USA vielfach gestiegene Ums�tze, weil inzwischen Produkte aller Art bestellt werden. America Online beispielsweise gab am Montag den Umsatz zwischen dem Erntedankfest und Weihnachten mit 2,5 Milliarden US-Dollar (etwa 4,75 Mrd DM), das ist doppelt so viel wie 1998.

Nach einer Studie der Internet-Investment-Firma CMGI wird 1999 der Anteil des Online-Shopping im Internet am gesamten Handel in Europa vier Prozent betragen haben. Deutschland sei hier mit durchschnittlichen Bestellungen von 77 Euro f�hrend. CMGI prognostiziert, dass der Umsatz im Internet-Handel bis 2001 von zuletzt 19 Milliarden auf 112 Milliarden Euro ansteigt.

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Ein Verzeichnis der Privatbibliotheken von Karl Marx und Friedrich Engels

Aus drei Quellen, so lautete die undialektisch halbwahre, aber leicht zu behaltende Formel, speist sich der Marxismus. Er tritt das Erbe an des deutschen Idealismus von Kant bis Hegel, des utopischen Sozialismus von Owen, Fourier, Saint-Simon und der englischen �konomie von Adam Smith und John Stuart Mill. Marx stellt den ersten auf die F��e, verwandelt den zweiten zu einer Wissenschaft und �berwindet die b�rgerlichen Erkenntnisschranken der dritten. Das ist eine um die f�r Marx charakteristische Detailversessenheit verk�rzte Sicht, die seine Verfallenheit an den Gegenstand, den modernen Kapitalismus vergessen machen will aber ganz falsch ist sie nicht.

Wer im gerade erschienenen "Annotierten Verzeichnis des ermittelten Bestandes" der Bibliotheken von Karl Marx und Friedrich Engels bl�ttert, wird in der Tat die einschl�gigen Namen entdecken. Robert Owen zum Beispiel ist mit 16 Titeln der am h�ufigsten verzeichnete Autor. Daneben stehen zahlreiche Historiker, Quellen zur Wirtschaftsgeschichte und erstaunlich viel Russischsprachiges. Den Herausgebern des Bandes IV/32 der Marx-Engels-Gesamtausgabe ist es gelungen, 1 450 von ca. 2 100 Titeln wiederzufinden und zu identifizieren. "Lekt�respuren" auf 40 000 Buch sind sorgf�ltig verzeichnet: Eselsohren, Ausrufe- und Fragezeichen, Anstreichungen mit Blau- oder Bleistift und l�ngere Kommentare. Wenn eines Tages das Unternehmen der Gesamtausgabe abgeschlossen sein wird, kann dieser Band als ein Leitfaden durch alle Abteilungen dienen. In der stupide gleichf�rmigen Gestalt eines B�cherkatalogs demonstriert er die Schwierigkeiten, die eine erst noch zu schreibende intellektuelle Biografie von Marx �berwinden muss. Um die Bewegung seines Denkens zu verstehen, reichen selbst solide Kenntnisse der geistesgeschichtlichen Entwicklungslinien nicht aus. Gewonnen scheint auch wenig, wenn man zu ihnen die mit gleicher Intensit�t genutzten Statistiken, historischen Schriften und naturwissenschaftlichen Lehrb�cher lediglich addiert. Es mag sein, dass der leichteste Weg zu einem historisch stimmigen Bild von der Marxschen Revolution der Wissenschaften �ber den Leser Marx f�hrt. Die meiste Zeit verbrachte er lesend, exzerpierend, schreibend, mit B�chern also: "Sie sind meine Sklaven und sollen mir nach meinem Willen dienen." Behandelt hat er sie ohne R�cksicht auf Einband, Papier und Druck, als gelte es, aus den Produktionsmitteln des Gelehrten ein Maximum an Einsicht zu pressen. Seine Art zu lesen erinnert mehr als einmal an einen Zweikampf mit Stoff und Verfasser.

Gemessen an den Standards des 19. Jahrhunderts scheint der Umfang der Arbeitsbibliothek gering und von unterentwickelter Systematik. Schuld daran war vor allem die prek�re b�rgerliche Existenz des Emigranten Marx. "Ein halbes Jahrhundert auf dem R�cken und immer noch Pauper!", schrieb er 1868 an Engels: "Wie recht meine Mutter! ,Wenn die Karell Kapital gemacht h�tte, statt etc!" Etwa 500 Titel hatte Marx zusammengetragen, als er am 16. Mai 1849 in K�ln den Ausweisungsbefehl erhielt. Er �bergab sie seinem Freund aus dem Bund der Kommunisten, dem Arzt Roland Daniels, der sie bevor er verhaftet wurde in den Kellern der Weinhandlung seines Bruders lagerte. Erst 1860 wurde die Bibliothek nach London geschickt. Marx musste bald feststellen, wie viel fehlte: "Den ganzen Fourier gestohlen, ditto Goethe, ditto Herder, ditto Voltaire und, was mir das Scheu�lichste, die ,�conomistes du 18siecle (ganz neu, kosteten mich an 500frs.) und viele B�nde der griechischen Klassiker."

Mit der Bibliothek des "British Museum" hatte Marx in London mehr als Ersatz gefunden. Sie war damals die modernste Europas. Ihr Bibliothekar, Sir Anthony Panizzi, hatte seit 1841 f�r einen in Paris und andernorts schmerzlich vermissten alphabetischen Katalog gesorgt. 1859 erschien er als erster gedruckter Lesesaalkatalog �berhaupt. Darin konnte Marx dann etwa auf die Schriften von Georg Ludwig Maurer sto�en, die seine �berzeugung von fr�hen, gemeinschaftlichen Eigentumsformen in Europa zu best�tigen schienen. Solche halb zuf�lligen, halb gesuchten Entdeckungen haben die Genese des Marxismus st�rker bestimmt, als die Formel von den drei Quellen glauben machen m�chte.

Nach Marx Tod wurde seine Bibliothek mit der von Engels vereinigt, der selber �ber eine stattliche Militaria-Sammlung verf�gte. Engels vermachte alle B�cher Bebel und Singer, und so trafen im Oktober 1895 27 Kisten, an das Parteib�ro der Sozialdemokraten adressiert, beim Berliner Zollamt ein. Seitdem teilten die B�cher von Marx und Engels das Schicksal der Parteibibliothek. Unsentimental und respektlos wurden sie weiter als Arbeitsmittel benutzt. Durch Buchbinderschnitt gingen Randglossen verloren. Die Nationalsozialisten wiesen die B�cher dem Geheimen Preu�ischen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem zu. Universit�tsinstitute erhielten bald Gelegenheit, sich aus den Best�nden zu bedienen. Anfang der f�nfziger Jahre begann in der DDR die systematische Suche nach Titeln ex libris Marx und Engels.

Das "Annotierte Verzeichnis" ist die notwendig l�ckenhafte Rekonstruktion eines Bestandes, der nicht aus Sammelleidenschaft und nicht nach systematischen Kriterien zusammengetragen wurde. Die in ihm sichtbar werdende Zersplitterung der Interessen spiegelt nicht nur die Lebenssituation von Marx, sondern auch die Entwicklung des Gegenstandes, dem er sich verschrieben hatte, dessen Bewegungsgesetz er darstellen wollte, ohne damit zum Abschluss zu gelangen. Das belegen nicht zuletzt die B�nde II und III des "Kapital", die demn�chst in der MEGA erscheinen sollen.

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Bibel aus dem 13. Jahrhundert in der Kunsthalle

Hamburg - Sie ist eine Rarit�t mittelalterlicher Buchkunst und reiste als Leihgabe von Kopenhagen an die Elbe: die "Hamburger Bibel". Von heute an wird das dreib�ndige Werk in der Kunsthalle zu sehen sein - das Museum pr�sentiert mit der Ausstellung "Goldgrund und Himmelslicht" erstmals umfassend die Kunst des Mittelalters in der Hansestadt. Der M�nch Karolus schrieb die "Hamburger Bibel" 1255 auf Veranlassung von Bertoldus, Dekan des Hamburger Domkapitels, der sie dem Dom stiftete. Schreiber und Auftraggeber werden in einem Widmungsgedicht an die Gottesmutter erw�hnt, das sich in allen B�nden wiederfindet. Die Bibel ist wahrscheinlich die einzige Handschrift, die um die Mitte des 13. Jahrhunderts in Hamburg entstanden ist. Zus�tzlich zu den Initialen, die mit biblischen Motiven illustriert sind, enth�lt das Werk eine Bilderfolge, die die mittelalterliche Buchherstellung veranschaulicht - von der Zubereitung des Pergaments �ber die verschiedenen Schritte des Schreibprozesses bis hin zur Arbeit des Malers an der Illuminierung. Auch das ist �u�erst selten und dokumentiert die dem Mittelalter eigene Faszination durch das Buch. 1784 wurde die Bibel als Folge der Reformation mit der gesamten Dombibliothek versteigert und gelangte nach Kopenhagen.

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Die Schatzkarte auf der Computer-Festplatte.
Mit seinem "Verlag der Criminale" will Wolfram G�bel ganz gro� in das Zukunftsgesch�ft mit B�chern auf Abruf einsteigen

Gutenberg trifft Cyberspace. Die Buchdruck-Kunst geht online, und immer mehr namhafte Verleger weisen den Weg. J�ngstes Beispiel ist Wolfram G�bel, der ehemalige Gesch�ftsf�hrer von dtv und Ullstein. G�bel hat vor kurzem in M�nchen den Verlag der Criminale gegr�ndet den ersten deutschen Verlag, der ausschlie�lich �ber das Druck-Verfahren "Books on Demand" (BoD) publiziert.

"Books on Demand" bedeutet: B�cher werden vom Verlag nicht mehr in einer vorher festgelegten Auflage gedruckt, gebunden und gestapelt, sondern je nach Bedarf auf Abruf der Leser aus Laserdruckern gelassen und verschickt. Statt in Lagern voller Ladenh�ter wird Literatur bei "Books on Demand" nur als Druckvorlage auf der Festplatte eines Computers gespeichert. Die Vorteile: Hohe Lager- und Kapitalbindungskosten fallen weg, selbst bei Mini- und Mikro-Nachfragen lohnt sich der Druck. Wolfram G�bel preist dieses Verfahren als Schatzkarte zur Erschlie�ung des Worldwide-Web-Universums, als Erwiderung auf die Globalisierung, als Forum f�r unentdeckte Talente und neue Erz�hlformen, kurz als Chance, so der 55-j�hrige Fortschrittsgl�ubige, "alles zu machen, das m�glich ist und nicht viel Geld kostet." Bei Criminale sollen unver�ffentlichte und im herk�mmlichen Handel bereits vergriffene Werke von Verfassern erscheinen, die der Krimi-Schriftstellervereinigung "Syndikat" angeh�ren. Dazu z�hlen 200 Autoren, unter anderem so renommierte wie Felix Huby und Ingrid Noll. Seine ersten 30 Titel will Wolfram G�bel auf der Leipziger Buchmesse im kommenden M�rz pr�sentieren. Zur Frankfurter Buchmesse im Herbst plant er au�erdem den Start eines BoD-Verlages f�r zeitgen�ssische Lyrik. Herausgeber wird der G�ttinger Literaturkritiker Heinz Ludwig Arnold sein. Vorab, am 15. Januar, aktiviert G�bel in M�nchen seine "Buch & medi@ GmbH" (http://www.buchmedia.de), eine Art Dienstleistungs-Zwitter aus Verlag und Agentur, der Know-How f�r elektronische B�cher (E-Books), Internet- und "on demand"-Ver�ffentlichungen feilbietet. Das ist die Antwort G�bels auf seine Frage: "Wie schaffe ich eine Verbindung zwischen dem traditionellen Verlegen des 20. und den Kommunikationsm�glichkeiten des 21. Jahrhunderts?"

Verbindungs-Bruder G�bels ist das Hamburger Buchgro�handels-Unternehmen Georg Lingenbrink GmbH, kurz Libri (http://www.libri.de). Libri ist ein Pionier der " Books on Demand"-Technik, wof�r die Branchengr��e im vergangenen Jahr mit dem Computerworld Smithsonian Award, einem angesehenen Innovationspreis des Washingtoner Nationalmuseums f�r Amerikanische Geschichte, ausgezeichnet worden ist. Seit Juli vergangenen Jahres betreibt Libri unter http://www.bod.com eine Vermarktungsplattform f�r BoD-Literatur im Internet. Libri lockt Autoren mit dem Versprechen, aus eingesandten Manuskripten jeglicher Art innerhalb von wenigen Tagen weltweit recherchierbare Titel zu machen. Statt Lektoren mischen sich h�chstens Layouter in die Ad-hoc-Ausgaben ein. Ruckzuck und gegen Bares aus dem Verfassers�ckel ist alles Geschriebene "fit to print" auch wenn der gebundene Ausdruck am Ende nur eine Hand voll Leser findet, die Freundin und geneigten Eltern des Autors eingeschlossen.

Noch ist "Books on Demand" im Verdacht, vor allem die Rettung f�r Feierabend-Schreiber zu sein, die schon immer einmal ein Buch von sich ins Wohnzimmerregal stellen wollten. Das k�nnte sich bald �ndern. G�bel der als sein Motto "B�cher ver�ndern die Welt" angibt - glaubt, dass sich mit "Books on Demand" kr�ftig Gas geben l�sst. Er sagt: "Die Leute sch�ttelten auch den Kopf, als man die ersten Otto-Motoren in Postkutschen einbaute. Trotzdem wurde das Auto daraus." Jeder BoD-Titel, den G�bel in seinem neuen Verlag der Criminale produziert, wird in die Libri-Datenbank aufgenommen, kann dadurch bei mehr als 3000 Buchh�ndlern und in den rund 500 Internet-Shops bestellt werden, die dem Libri-System angeschlossen sind. F�r Leute im notorischen Offline-Zustand, zum Beispiel kulturpessimistische Gutenberg-Puristen, hat G�bel wenig Verst�ndnis. Er sagt: "Ich diskutiere gern mit Kontrahenten aber nur, wenn sie mir nachweisen, dass sie im Netz surfen und wissen, wovon sie reden. Fragen Sie mich jederzeit, wann ich zuletzt online war. Ich sage Ihnen: vor zehn Minuten."

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Bach-Handschriften in Gefahr
Rettungsaktion soll vom Tintenfrass bedrohte Bach-Originale retten

Rund 500 Millionen Franken w�rden die 8000 Handschriften des Komponisten Johann Sebastian Bach auf dem Markt bringen, die in der Staatsbibliothek Berlin verwahrt werden. Doch dieser Schatz im ehemaligen Ostteil der Stadt ist bedroht.

Rund 5600 Blatt von Bachs Originalhandschriften leiden an so genanntem Tintenfrass. Der deutsche Kulturstaatsminister Michael Naumann hat nun eine Rettungsaktion angek�ndigt, um die dem Weltkulturerbe zuzurechnenden Originale vor dem Verfall zu bewahren. Innert dreier Jahre sollen die Bl�tter restauriert werden. Die Handschriften des 1750 im Alter von 65 Jahren in Leipzig verstorbenen Komponisten sollen nach einem modernen Papierspaltungsverfahren behandelt werden. Diese Methode hatte in der DDR der Restaurator G�nter M�ller von der Th�ringer Universit�ts- und Landesbibliothek in Jena entwickelt. Gemeinsam mit Wolfgang W�chter vom Zentrum f�r Bucherhaltung in Leipzig sei es in den letzten Jahren optimiert worden, berichtete der Generaldirektor der Staatsbibliothek, Antonius Jammers. Die Restaurierung in der f�r rund 500.000 Franken eingerichteten Werkstatt soll im Januar 2000 beginnen.

Um die Kosten von rund 1,6 Millionen Franken aufzubringen, hat der Verein der Freunde der Staatsbibliothek unter dem Motto �Kulturgut bewahren� ein Bach-Patronat ins Leben gerufen. Man hoffe auf Spender aus dem gesamten Bundesgebiet, erkl�rte der Verein. Bisher seien rund 120 000 Franken eingegangen, um die Initiative starten zu k�nnen.

Jedes Blatt ist ein Patient

F�r jedes einzelne Blatt und seinen individuellen Schadensbefund wird bei den Arbeiten entschieden, welche Restaurierungsmethoden angewendet werden. �Das kann man sich wie bei einem Patienten vorstellen�, erkl�rte Jammers. �Jedes Krankheitsbild ben�tigt eine andere Therapie.�

F�r br�chige und stark angebraunte Dokumente wird das Verfahren der Papierspaltung angewendet. �Dabei werden Vorder- und R�ckseite des Papierbogens vorsichtig voneinander gel�st und zur mechanischen Stabilisierung des Papiers ein d�nnes Blatt zwischen beide eingebracht�, erkl�rte der Generaldirektor. Dieses Verfahren sei so weit entwickelt, das die kulturhistorische Substanz der Originale nicht beeintr�chtigt werde. �Das vom Tintenfrass gesch�digte Schriftbild tritt ohne Verlust der nat�rlichen Alterungsspuren wieder klar hervor, und das Papier erh�lt seine Geschmeidigkeit zur�ck.�

Regierung hofft auf R�ckgabe von Bach-Notenhandschriften

Die Bundesregierung hofft auch auf baldige R�ckgabe von Bach-Notenhandschriften aus Polen. Es handle sich um Autografen, die w�hrend des Krieges zum Schutz vor Bomben dorthin verlagert worden seien, erkl�rte Michael Naumann zum Auftakt. Noch werde verhandelt. Bei R�ckgabe sollen die wertvollen Dokumente der Staatsbibliothek zugef�hrt werden, die bereits rund 8000 Bl�tter habe. Auch nach Restaurierung der Bach-Notenhandschriften gebe es keinen Grund, die neue Werkstatt stillzulegen oder Restauratoren zu entlassen, sagte Jammers. �Insgesamt warten in der Staatsbibliothek zu Berlin nahezu sieben Millionen B�nde auf ihre Restaurierung.� Die Kosten werden auf rund 200 Millionen Franken gesch�tzt.

Die Berliner Staatsbibliothek z�hlt nach eigenen Angaben zu den zehn gr�ssten und bedeutendsten Bibliotheken der Welt. Die fast 350 Jahre alte Einrichtung sei die gr�sste Universalbibliothek Deutschlands. Entsprechend vielseitig sind die Aufgaben, die sie heute im Spannungsfeld zwischen der Bewahrung eines wertvollen kulturellen Erbes und ihrer Funktion als Dienstleister in einer modernen Informationsgesellschaft �bernimmt. Rund 1,2 Millionen B�cher werden Jahr f�r Jahr ausgeliehen. Ebenso viele Menschen gehen in den Leses�len der Staatsbibliothek ein und aus. Der Bestand w�chst im Schnitt um rund 150 000 B�nde im Jahr.

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Deutscher PEN hilft Exilautoren. Kulturminister plant Stiftung

Zu Gunsten verfolgter Exilautoren erw�gt Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) die Einrichtung einer Bundesstiftung. Dies teilte Naumann am Montag in Berlin zusammen mit dem deutschen PEN mit, dessen Projekt "Writers in Exile" von der Bundesregierung mit 300 000 Mark im Jahr unterst�tzt wird. Elsbeth Wolffheim, beim PEN f�r die Hilfsaktion zust�ndig, sprach von einem Erfolg: "Schon jetzt sind alle Pl�tze, die wir zun�chst f�r verfolgte Schriftsteller und K�nstler eingeplant hatten, belegt." Die insgesamt f�nf Exilautoren aus der T�rkei, Iran und Algerien h�tten Berlin, Hamburg, M�nchen, Frankfurt am Main und K�ln aufgenommen. Sieben weitere deutsche St�dte bekundeten ihr Interesse an dem Projekt.

Den Angaben des Internationalen PEN-Zentrums zufolge ist die Zahl der Dichter und Intellektuellen, die in der ganzen Welt verfolgt, gefoltert und ermordet werden, weiter gestiegen. In ihrem letzten Halbjahresbericht erfasste die Organisation 34 ermordete Autoren und Journalisten, weitere 22 verschollene, f�nf entf�hrte und 164 zu Haftstrafen verurteilte. In einem Land, das im Nationalsozialismus Kunstrichtungen und K�nstler als entartet brandmarkte, Literatur verbot, Autoren aus ihrer Heimat vertrieb, sie inhaftierte, zu Tode qu�lte, gebe es f�r Projekte wie "Writers in Exile" eine "besondere Verpflichtung", sagte der Kulturstaatsminister. K�nftig sollen innerhalb des Projekts auch verfolgte K�nstler, Filmemacher und Maler in Deutschland Zuflucht finden.

Naumann stellte in Aussicht, dass der Fonds in zwei bis drei Jahren auf 700 000 Mark wachsen k�nnte. W�hrend der Staat das Geld gibt, sorgt der deutsche PEN f�r die Umsetzung des Programms. Wichtigstes Auswahlkriterium sei der "Grad der Gef�hrdung" der Autoren, sagte Elsbeth Wolffheim. Die Zusammenarbeit mit Organisationen wie etwa Amnesty International, Reporter ohne Grenzen und der Heinrich-B�ll-Stiftung soll eine verl�ssliche Einsch�tzung der Lage des Verfolgten gew�hrleisten. In Deutschland versucht der PEN mit dem jeweiligen Ausl�nderbeauftragten einer Stadt, Wohnung und Kontakte f�r den Exilautoren zu schaffen, Lesungen zu organisieren und m�glichst auch einen Verleger zu finden.

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Bertelsmanns befleckte Weste.
Zwischenbericht der Historischen Kommission zur Rolle des Verlags im Dritten Reich

Eigentlich ist es nicht zu verstehen, dass nicht schon vor Jahrzehnten die Geschichte des Verlagswesens w�hrend des Dritten Reichs umfassend erforscht worden ist. Und h�tte Thomas Middelhoff, mittlerweile Bertelsmann-Chef, nicht bei der Entgegennahme des "Vernon A. Walters Award" im Juni 1998 in New York betont, dass sein Konzern w�hrend des Zweiten Weltkriegs einer der wenigen nicht-j�dischen Medienbetriebe gewesen sei, die von den Nazis aus Papiermangel geschlossen wurden, vielleicht h�tte sich bis heute niemand f�r die Vergangenheit des Hauses interessiert. Aber erste und dann immer lauter werdende Zweifel an Bertelsmanns Unschuld zwangen die Konzernspitze zur Flucht nach vorn. Der Global Player reagierte intelligent und taktisch geschickt. Der Fall wurde an den renommierten Historiker und NS-Forscher Saul Friedl�nder �bergeben. Friedl�nder berief eine unabh�ngige Kommission, der neben ihm Norbert Frei, Trutz Rendtorff und Reinhard Wittmann angeh�ren. Ein Jahr hat die Kommission geforscht, Material aus dem desolaten Bertelsmann-Firmenarchiv und weiteren �ffentlichen Archiven ausgewertet. Wenn die Kommission sich in ihrer ersten Pressekonferenz in der M�nchner Universit�t immer wieder auf die langwierigen und noch keineswegs abgeschlossenen Untersuchungen berief, so steht doch fest: Das G�tersloher Unternehmen geh�rte nicht zu den Gesch�digten, sondern zu den Kriegsgewinnlern, und der Verlag wurde keineswegs wegen "oppositioneller Haltung" geschlossen.

Der C. Bertelsmann Verlag und der ihm angeschlossene Verlag "Der Rufer" wurden, so f�hrt der erste Zwischenbericht der Kommission an, im Zusammenhang mit einem Prozess wegen "unrechtm��iger Papiereink�ufe" kurzfristig geschlossen. Um an die "Papierschecks" zu kommen, waren viele Mittel recht. Wenn man auch Heinrich Mohn, Mitglied der Bekennenden Kirche, keine besondere N�he zum NS-Regime nachweisen kann, so steht doch fest, dass Mohn seit 1921 "F�rderndes Mitglied der SS" war und an Jugend- und andere Organisationen des NS-Staates rund 15 000 Reichsmark spendete. Diese Sponsorent�tigkeit lie� Mohn bei der Entnazifizierung 1946 unerw�hnt und erhielt die Lizenz f�r die Buchproduktion zur�ck. Ein Jahr sp�ter musste er allerdings seine f�rdernden Mitgliedschaften doch noch angeben. "Alle diesbez�glichen Unterlagen", gab Mohn im April 1947 zu Protokoll, sind "verbrannt".

Sie sind nicht verbrannt. Wer B�cher von Autoren wie dem Nazi Will Vesper verlegt hat, kann nicht behaupten, an der Verbreitung der Ideologie des Dritten Reichs nicht mitgewirkt zu haben. Bertelsmann lieferte mehr als ein Viertel der gesamten Buchproduktion f�r die Wehrmacht und stand an erster Stelle vor Kohlhammer, Gerber, Insel, Reclam, Diederichs und Langen-M�ller. Neben dem G�tersloher Stammhaus waren 119 Druckereien, auch im Baltikum, in B�hmen und M�hren mit der Herstellung der Soldatenlekt�re besch�ftigt. Auf die Frage nach den Zwangsarbeitern konnte die Kommission keine Auskunft geben. Wer fragt, wie es kam, dass Bertelsmann so glorreich aus den Ruinen auferstehen konnte, bekommt eine einfache Antwort: Man hatte Papier, und das war die Hauptsache. Weitere Forschungsergebnisse folgen.

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Lateinische Bildungstradition f�r die Informationsgesellschaft. Lexikon von Zitaten und Sinnspr�chen auf CD-ROM

Die Spruchweisheiten lateinischer Bildungstradition will eine neue CD-ROM der "Digitalen Bibliothek" ins Zeitalter der Informationsgesellschaft retten. Mehr als 12.000 Zitate klassischer Autoren, Sprichw�rter und Redewendungen aus dem alten Rom enth�lt das von Ernst Bury herausgegebene Lexikon "In medias res". Jenseits aller Wichtigtuerei k�nne ein lateinisches Zitat zur rechten Zeit auch heute noch seine rhetorische Wirkung entfalten, erkl�rt der Herausgeber. Eine lateinische Wendung treffe oft den Kern des Problems, weshalb dieses Gedankengut "auch im Computerzeitalter weiterleben" werde. Dank der Volltextsuche gen�gt es, sich an irgendein Bruchst�ck einer lateinischen Wendung zu erinnern, um das Original aus den Tiefen der Erinnerung auf den Bildschirm zu bringen. Gesucht werden kann sowohl nach lateinischen wie deutschen Begriffen, die einzelnen Zitate werden jeweils im Original, mit sinngem��er �bersetzung und kurzer Quellenangabe angezeigt. Ber�cksichtigt wurden sowohl geistvolle Sinnspr�che als auch kurze Wendungen wie "homo faber", der "technische Mensch". Der Anhang nennt die antiken Autoren mit ihren Lebensdaten und Hauptwerken.

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�Die neun Pforten�

Dean Corso �bt einen Beruf aus, der Fingerspitzengef�hl, eine solide Allgemeinbildung, Nerven wie Drahtseile - und Skrupellosigkeit verlangt: Corso arbeitet als B�cherj�ger, der nach bibliophilen Kostbarkeiten sucht, die sich Antiquare oder reiche Sammler viel Geld kosten lassen. Sein ausgezeichneter Ruf bringt ihm laufend lukrative Auftr�ge ein - auch von Boris Balkan, einem bekannten Buch-Liebhaber, der sich auf den Bereich der D�monologie spezialisiert hat. Corso soll f�r ihn die beiden letzten Exemplare des legend�ren satanischen Handbuchs �Die neun Pforten ins Reich der Schatten� ausfindig machen und sie dann mit jenem - angeblich einzigartigen - Exemplar vergleichen, das sich in Balkans Besitz befindet.

Um herauszufinden, welches der drei B�cher eine F�lschung ist, stellt Balkan Corso unbegrenzte finanzielle Mittel zur Verf�gung. Dabei ist es ihm gleichg�ltig, wie Corso vorgeht, um die Authentizit�t der alten B�cher zu �berpr�fen - Hauptsache, seine Nachforschungen f�hren zum Erfolg. Corso nimmt die Herausforderung an und reist von New York nach Toledo, von Paris nach Cintra. Dabei dringt er immer tiefer in ein Labyrinth ein, das gespickt ist mit Fallen und Versuchungen, mit mysteri�sen Begegnungen, Gewalt und Tod. Verfolgt von einer m�rderischen Furie, besch�tzt von einem engelsgleichen Wesen und geleitet von einer ihm unerkl�rlichen Kraft, gelingt es Corso, nicht nur die R�tsel des Buches nach und nach zu l�sen.

Bald erkennt er auch den wahren Grund f�r seine gef�hrliche Mission.

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Eine Genie der Freundschaft im Dienste der Literatur. Vor 100 Jahren wurde Hermann Kesten geboren, einer der gro�en Autoren der Weimarer Zeit

Er war ein geborener Emigrant, der letzte einer Schriftstellergeneration, deren Leben und Werk durch die Bedrohung oder Verfolgung in der Nazi-Zeit und durch das Exil entscheidend gepr�gt worden sind. Hermann Kesten war Zeuge dieses Jahrhunderts wie nur wenige, umgetrieben, gejagt, entkommen. Seit 1926 war der am 28. Januar 1900 Geborene freier Schriftsteller, ein Erz�hler und Anreger von au�erordentlicher Produktivit�t, ein Helfer und F�rderer von Kollegenund ein Entdecker von Talenten. Vielen verhalf er zu Start oder Weiterkommen: Klaus Mann, Feuchtwanger, D�blin, Toller, Oskar Maria Graf - und vor allem Joseph Roth, den Kesten als seine "wichtigste Entdeckung" bezeichnete.

Als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, Deutschland am Boden und zweigeteilt - da interessierte sich das Leserpublikum vor allem f�r die Literatur aus den westlichen Siegerstaaten: Steinbeck und Hemingway, Sartre und Camus. Die Emigranten z�hlten nicht viel. Hermann Kesten, Sohn eines j�dischen Kaufmanns, der aus dem Osten nach N�rnberg gekommen war, war einer der "Gro�schriftsteller" der Weimarer Zeit. Als er 96-j�hrig vor vier Jahren in Riehen bei Basel starb, ging auch diese Epoche ohne gr��eres Aufhebens zu Ende.

Kesten kehrte nach dem Krieg nach Europa zur�ck, aber die deutsche Gegenwart war ihm fremd geworden. "Das Exil macht einsam und t�tet", bemerkte er. Auch mit dem literarischen Nachwuchs wusste er nicht viel anzufangen. Die "Gruppe 47" von Hans Werner Richter war ein loser Zusammenschluss von Kriegsteilnehmern. Literarische Innovationen und programmatische Er�rterungen orientierten sich an einer Aufbruchstimmung, die mit den Vorkriegstraditionen nichts mehr zu tun haben wollten. Das f�hrte zwangsl�ufig zum Streit mit einigen der angesehenen Autoren des literarischen Exils, vor allem mit Hermann Kesten und Robert Neumann.

Beide verstanden die "Gruppe 47" und ihre Arbeit als eine Absage an die deutsche Exilliteratur. Kesten suchte freilich auch vergebens nach der verloren gegangenen Kaffeehaus-Atmosph�re - mal in Wien, mal in Paris oder in Rom, wo er bis zum Tod seiner Frau jahrelang gelebt hat. Bei alledem brauchte sich Kesten um seinen Erfolg als Schriftsteller nie zu sorgen. Er erhielt 1977 den B�chner-Preis, man w�hlte ihn zum PEN-Pr�sidenten, er beteiligte sich an allen wichtigen �ffentlichen Debatten der sechziger und siebziger Jahre.

Er war nicht unpolitisch, war aber auch kein Agitator. Freilich hat er sich mit seinem Witz und seiner Schlagfertigkeit nicht nur Freunde gemacht. Wer mit ihm sprach, ihn erz�hlen h�rte, dem musste Kesten wie ein wandelnder Anekdotenschatz vorkommen, und tats�chlich wei� man in seinen Romanen oft kaum zu unterscheiden zwischen historischer Faktentreue und munterer Fabulierfantasie. Einer seiner sch�nsten Romane ist "Josef sucht die Freiheit", f�r den Kesten 1928 mit dem Kleist-Preis geehrt wurde. Es ist ein stark autobiografisch gef�rbtes Werk, das die schmerzhaften Erfahrungen des �bergangs von der Jugend zum Erwachsenensein b�ndelt und durch den lakonisch-packenden Erz�hlstil immer wieder aufzubrechen versteht.

Die Zwanziger - das war die Zeit des jungen streitlustigen Kesten, der sich mit Brecht anlegte, mit Heinrich Mann befreundet war, Anna Seghers entdeckte und als Cheflektor bei Kiepenheuer den melancholischen Joseph Roth betreute. Als die Nazis 1933 seine B�cher verbrannten, floh Kesten nach Holland, wo er die deutsche Abteilung des Exilverlags Albert de Lange leitete und in dieser Funktion vielen deutschen Emigranten helfen konnte. Ein "Genie der Freundschaft" wurde Kesten damals schon genannt, im Dienst der Literatur hat er sich jedenfalls enorme Dienste erworben. "Meine Freunde, die Poeten" oder "Dichter im Caf�" waren B�cher, in denen Kesten Zeugnis ablegte von seiner Leidenschaft, f�r die Sache der Poeten zu streiten und sich einzusetzen.

Er konnte auch erbarmungslos Kritik �ben, ungerecht sein, mit Witz, Wut und mit Humor. Mehr als 30 B�cher hat Kesten ver�ffentlicht, sie wurden in fast ebenso viele Sprachen �bersetzt. So gesehen ein erfolgreicher Romancier - mit einer unterbrochenen, dann abgew�rgten Rezeption. Nach 1945 war er zwar pr�sent - aber doch ein Au�enseiter. Seine gro�en Erfolge weisen fast alle in die Weimarer Jahre: "Ein ausschweifender Mensch", "Gl�ckliche Menschen" oder "Der Scharlatan". Sie schwanken mitunter zwischen dem ankl�gerischen Ton der Expressionisten und der k�hlen Tonlage der "Neuen Sachlichkeit". Sp�ter sollte sich dies ver�ndern. Seine historischen Romane wie "Ferdinand und Isabella" oder "Philipp der Zweite" sind Schl�sselwerke f�r den Blick Kestens auf die Hitlerjahre. "Was wir nicht aufschreiben", hat er gesagt, "ist umsonst gelebt, ist wie nie gewesen . . . Ich sah Menschen an und formulierte sie exakt. Wer immer mir begegnete, wurde ein Satz von mir."

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(Letzte �nderung erfolgte am 27. Januar 2000)